Texte aus der kreativen Schreibwerkstatt


An dieser Stelle veröffentlichen wir Texte, die während unserer Online-Schreibwerkstatt entstanden sind.Einige kreativ Schreibende haben freundlicherweise ihre Beiträge zur Verfügung gestellt. Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen!


Texte von Ingrid Kellner


 

Vom Wasser das Schwimmen lernen,

sich treiben lassen mit Blick ins Blau.

Von der Luft gestreichelt werden.

Mit Feuer und Holzkohle grillen.

Aber he, jetzt windets, es stürmt,

ein Gewitter kracht runter.

Schau, der Regenbogen!

Auf dem rutschen wir runter 

im Gelb, im Rot, im Grün und Blau.

He, wer lacht denn da?

Eine goldene Sonnenblume.

 

 

Horutus conclusus

Also, da ist die Pforte zum Geheimen Garten, dem Hortus conclusus. Ich gehe hinein. Auf einer Rasenbank sitzt die Jungfrau mit dem Kind. Maßliebchen blühen auf der Wiese, Häschen hoppeln herum, während in den jungen, frühlingsfrischen Bäumen Vöglein singen.

Aber ach und oh, gehör ich da dazu?

Weiter hinten im Garten ist ein Weiher, sonnenwarm das Wasser, braun und schillernd wie der Blaslweiher. Der Wind bewegt die Kiefern. Meine Oma sitzt am Ufer und läßt ihre Füße ins Wasser hängen. Ich setz mich neben sie. „Lad sie ein!“, sagt sie. „Wen?“, frag ich. „Na, die Jungfrau halt, dann kannst du mit dem Kindl spielen.“ Gemai! Und dann erst ist es lustig geworden.

 



Texte von ANNA aus der Märchenwerkstatt

 

Aus dem Tagebuch einer Stiefmutter

Ich habe heute Morgen ausgeschlafen - ausreichend Nachtschlaf ist wichtig für die Spannkraft der Haut. Kleines Frühstück im Bett: zwei pochierte Eier und O-Saft - ich muss auf meine Taille achten.

Die blöde Zimmerschnepfe hat warmes Waschwasser gebracht: Dumme Kuh, weiß doch jede, dass kaltes Wasser besser für die Poren ist. Gefeuert! Beim Haare bürsten - 100 Bürstenstriche - graues Haar gefunden. Ausgerissen und verbrannt.

Im Labor neue Creme angerührt. Dieses Mal mit frischem Schneckensaft und Rosenblüten. Den Spiegel befragt: natürlich bin ich die Schönste.

Nach dem Mittagessen (mein Mann ist echt der größte Langeweiler aller Zeiten) Schneewittchen zum Spielen in die Sonne geschickt. Soll die Kleine ruhig einen ordentlichen Sonnenbrand bekommen.

Nachmittags Kleider anprobiert. Diese Schneiderin ist echt die Letzte. Ihre Kleider spiegeln nie meine Schönheit wider. Lasse jetzt jemanden aus Paris kommen.

Abends die Füße hochgelegt, Maniküre und Gesichtsmaske (Froschlaich mit frischem Quark und Kiefernspitzen gegen die Nasenfalten).

Mein Mann will das Dorf vor dem Schloss nicht abreißen lassen - kompletter Schandfleck - faselt was  von Bewohnern und Machtmissbrauch. Warum ist der eigentlich König geworden? Muss wirklich Fingerhut besorgen. Jetzt geht es ins Bett, wirke im Kerzenlicht blass.

Spieglein an der Wand

 

Selbstverliebte Arroganz,

Die Nase hoch erhoben.

Dreht sich um sich im Tanz.

Lässt sich von andern loben.

 

Die Nase hoch erhoben - 

Die Konkurrenz im Blick.

Lässt sich von andern loben,

 

Die Kleider immer schick.

 

Die Konkurrenz im Blick,

Muss stets die Schönste sein.

Die Kleider immer schick.

Unsicher, schwach, gemein…

 

Muss stets die Schönste sein.

Dreht sich um sich im Tanz.

Unsicher, schwach, gemein:

 

Selbstverliebte Arroganz.



Texte von Melanie Siebert

 


Fadengedicht

Manchmal muss man Türen schließen.

Neue öffnen sich erst dann.

Nur durchgehen musst du dich trauen.

Niemand nimmt dich an die Hand.

 

Doch sei gewiss, es wird sich lohnen.

Neuem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Ein Schritt trägt den nächsten Schritt.

Trau dich und geh durch.

 

 

Erinnerung

Plötzlich stehe ich vor dieser ehrfürchtigen Tür.

Wenn ich da durchgehe, dann beginnt etwas Neues in meinem Leben.

Neugier und Demut überfallen mich zugleich.

Diese Tür zieht mich magisch an.

Nach sanftem Druck springt sie auf – das Abenteuer beginnt.

 

 

Abschied & Neubeginn

Abschied

Das Herz ist schwer

Die Augen lachen

Meilenstein geschafft

Zielgerade voraus

Jeden Tag neu erfinden

Geschichten erzählen

Den Glauben ertanzen

Kinderseelen zum Lachen bringen

Wie aufregend!

 

 

Schneeballgedicht

Jetzt

Einfach sein

Ganz im Augenblick

Mit all meinen Sinnen

Ganz im Augenblick

Einfach sein

Jetzt

 

Rondell

Um mich herum blüht das Leben.

Mit allen Sinnen nehme ich wahr.

Die Sonne, der Wind, die Bäume, das Wasser.

Um mich herum blüht das Leben.

Ich spüre im Augenblick das ganze Sein.

Bin im Hier und Jetzt.

Um mich herum blüht das Leben.

Mit allen Sinnen nehme ich wahr.


Konstellationsgedicht

 

Feuerstellen

Feuerstellen und Erzählen

Erzählen

Erzählen und Faszination

Feuerstellen

Feuerstellen und Faszination

Feuerstellen und Erzählen und Faszination

und Zeit zum Erinnern. Tanzen

Tanzen und Frauen

Frauen

Frauen und Seelenpflege

Tanzen

Tanzen und Seelenpflege

Tanzen und Frauen und Seelenpflege

und Eintauchen in eine andere Welt.

 

Pantun

In der Natur die Seele baumeln lassen.

Ich geb’ mich ganz dem Augenblick hin.

Warum kann ich den Moment nicht einfangen?

Die Sehnsucht wächst.

 

Ich gebe mich ganz dem Augenblick hin.

Spüre die Wärme auf meiner Haut.

Die Sehnsucht wächst.

Rieche den Duft der Wiesenblumen.

 

Spüre die Wärme auf meiner Haut.

Ein Gefühl des Friedens.

Rieche den Duft der Wiesenblumen.

Bin im Hier und Jetzt.

 

Ein Gefühl des Friedens.

In der Natur die Seele baumeln lassen.

Bin im Hier und Jetzt.

 

Warum kann ich den Moment nicht einfangen?


 

Eine Szene aus dem Kleiderschrank

 „Habt ihr schon gehört“, fragt die Lederjacke, „ich soll aussortiert werden! Zu alt und nicht mehr der Mode entsprechend. Einfach in den Altkleidersack will sie mich stecken.“

„Nein! Das darf sie nicht tun! Ohne dich kann ich nicht mehr leben. Jetzt wo wir uns endlich unsere Liebe gestanden haben“, ruft das Dirndl verzweifelt.

„Also, wenn ihr mich fragt“, sagt das schwarze Abendkleid, „wo sie Recht hat, hat sie Recht. Dann riecht es auch endlich nicht mehr so in unserem Schrank – dieser frisch verliebte Ledergestank ist ja nicht zum Aushalten hier drinnen!“

„Also, ich darf ja wohl sehr bitten“, mischt sich nun der Gürtel ein, „Leder riecht tierisch gut. Du hast nur keine Ahnung von guten Gerüchen mit deinem billigen Parfum. Das ich nicht huste!“

„Pass mal lieber auf, du kleiner Stinker, dass du nicht gleich mit aussortiert wirst.“

„Leute, Leute, so geht das hier nicht“; tönt es plötzlich von unten aus der Sockenschublade. Die alten Socken melden sich zu Wort. „Euer Streit führt doch zu nichts. Lasst uns lieber überlegen, wie wir die Lederjacke retten können.“

„Ja, genau“, schluchzt das Dirndl. „Wenn mein Geliebter aussortiert wird, dann zerreiß ich mich.“

 

„Au ja,“ ruft das Negligé, „da mach ich mit. Meuterei im Kleiderschrank! Dann kann unsere Besitzerin sehen, wie sie uns alle wieder zusammen genäht bekommt oder wir bekommen alle ein neues Zuhause – im Altkleidersack.“


Verdichteter Text

 

Faszination von Feuerstellen

Friedvolles Beisammensein

Erzählen und erinnern

Seelenpflege

 

Zeit zum Wärmen