Texte aus der kreativen Schreibwerkstatt


An dieser Stelle veröffentlichen wir Texte, die während unserer Online-Schreibwerkstatt entstanden sind.Einige kreativ Schreibende haben freundlicherweise ihre Beiträge zur Verfügung gestellt. Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen!


PANTUN 

Mit viel Herz bin ich empfangen und geliebt.

Ich habe eine tiefe Verbindung und bin fest verwurzelt.

Der Glaube und das Urvertrauen sind die tiefen Wurzeln, die mich erden.

Ich brauche einen sicheren Platz, um mich zu entwickeln.

Ich habe eine tiefe Verbindung und bin fest verwurzelt.

Es ist im Moment nicht leicht, standhaft zu bleiben.

Ich brauche einen sicheren Platz, um mich zu entwickeln. 

Ich bin da und trage dich.

Es ist im Moment nicht leicht, standhaft zu bleiben.

Du selbst trägst dich am meisten - hab Vertrauen.

Ich bin da und trage dich.

Lasse Altes los, dann entsteht Raum für Neues.

Du selbst trägst dich am meisten - hab Vertrauen.

Mit viel Herz bin ich empfangen und geliebt.

Lasse Altes los, dann entsteht Raum für Neues.

Der Glaube und das Urvertrauen sind die tiefen Wurzeln, die mich erden.

 

Antonia



HAIKU 

Morgens in der Früh, 

es fallen gold'ne Taler, 

frostig und glitzernd. 

 

Ginkgo biloba - 

goldgelb fallen die Blätter. 

Sonne am Boden. 

 

Freude am Schauen - 

gold'ne Sonne im Herzen - 

Glück im Augenblick. 

 

Juliane

 



WO SIND MEINE WURZELN?

Wo sind meine Wurzeln?

Flachwurzler? Tiefwurzler? Herzwurzler?

Tief in mir sind meine Wurzeln, bei mir im Herzen.

Mich selbst zu spüren, eins im gegenwärtigen Augenblick zu sein, verbindet mich mit dem Ganzen.

Flachwurzler? Tiefwurzler? Herzwurzler?

Dunkle Zeit! Wurzelzeit! Achtsamkeit!

Mich selbst zu spüren, im gegenwärtigen Augenblick zu sein,

verbindet mich mit dem Ganzen.

Mit offenem Herzen Frieden erlangen für alle Wesen dieser Erde.

Dunkle Zeit! Wurzelzeit! Achtsamkeit!

Stürmische Zeiten machen starke Wurzeln!

Mit offenem Herzen Frieden erlangen für alle Wesen dieser Erde.

Meine Seelenwurzeln nähren sich stetig im Ursprung.

 

Stürmische Zeiten machen starke Wurzeln!

 

 

Wo sind meine Wurzeln?

Meine Seelenwurzeln nähren sich stetig im Ursprung.

 

Tief in mir sind meine Wurzeln, bei mir im Herzen.

 

Ingrid Sowade



Neue Wände!  Hören Kinder lachen.

Ofen knistert, Wärme der Liebe in jeder Ecke sich sammelt.

Neue Säulen des Glücks entstehen im Leben.

Neue Wände ! Hören Kinder lachen.

Zukunft zu lieben, am Ende zu zweit.

Altes Grauen in Containern wissen.

Frei sein! Die Stürme niemals vermissen.

Neue Wände! Hören Kinder lachen.

Das Glück am Ende - mitten im Leben.

 

Ingrid Sowade

 



SCHNEEBALLGEDICHT

Freundinnen

treffen sich

zum endlosen Gruseln,

in der dunklen Nacht

für Gänsehaut und Rückenschauder !

Mutig zu sein.

Jedes Jahr

Halloweenspaß

 

Ingrid Sowade

 



"Fadengedichte"

zum Thema

H E R B S T


Ein Fadengedicht ist ein Text, bei dem das erste Wort der nächsten Zeile immer mit dem letzten Buchstaben beginnt, mit dem das letzte Wort aus der vorherigen Zeile endete. 



Blätter im Herbst, 

toben im Wind. 

Die Sonne lacht, 

trotzig ziehen die Wolken davon. 

Nebel am nächsten Morgen, 

nass und kalt ist das Laub, 

bunte Farben mischen es auf. 

 

Marianne



Blätter im Herbst

Tausend bunte Blätter sausen durch die Luft,

tausend farbige Blätter bilden einen Teppich auf dem Boden,

niemand beachtet sie.

Ein kleines Kind kommt vorbei,

in einem Korb sammelt es die bunten Farben,

noch leuchten sie in der Morgenfrische.

Einen kunterbunten Teppich streut das Kind,

dann tanzt und jauchzt es.

Später kommt ein Windstoß und weht den Zauber durcheinander.

 

Juliane



Blätter im Herbst

Tags zuvor hatte ich davon ganz viele

Eben seit gestern hat sie alle mein östlicher Nachbar

Rote, gelbe, braune, grüne

Es sind alle weg!

Gerne hätte ich sie für meine Regenwürmer behalten

Na, da müssen die sich wohl was anderes suchen

Nein, ich hol sie nicht zurück

Kann alle mein lieber Nachbar behalten.

 

Martin



Blätter im Herbst,

traumhafte, bunte, stille,

einsam fallen sie zu Boden,

niemals vergessen im Kreislauf des Lebens.

Sonnentage im Geiste entstehen,

noch immer Du mich begleitest in

meinem Leben.

Nahe bei mir, für immer.

 

Ingrid S.



Blätter im Herbst

tanzen durch die Luft

taumeln von oben nach unten

Nieselregen beschwert sie

ein Eichhörnchen sammelt Nüsse für den Winter

rot-braun und buschig ist sein Schwanz

zauberhaftes Licht am Himmel, denn die Sonne geht gerade unter.

 

Antonia

 



Mehr aus der kreativen Schreibwerkstatt ...


Texte von Ingrid Kellner


 

Vom Wasser das Schwimmen lernen,

sich treiben lassen mit Blick ins Blau.

Von der Luft gestreichelt werden.

Mit Feuer und Holzkohle grillen.

Aber he, jetzt windets, es stürmt,

ein Gewitter kracht runter.

Schau, der Regenbogen!

Auf dem rutschen wir runter 

im Gelb, im Rot, im Grün und Blau.

He, wer lacht denn da?

Eine goldene Sonnenblume.

 

 

Horutus conclusus

Also, da ist die Pforte zum Geheimen Garten, dem Hortus conclusus. Ich gehe hinein. Auf einer Rasenbank sitzt die Jungfrau mit dem Kind. Maßliebchen blühen auf der Wiese, Häschen hoppeln herum, während in den jungen, frühlingsfrischen Bäumen Vöglein singen.

Aber ach und oh, gehör ich da dazu?

Weiter hinten im Garten ist ein Weiher, sonnenwarm das Wasser, braun und schillernd wie der Blaslweiher. Der Wind bewegt die Kiefern. Meine Oma sitzt am Ufer und läßt ihre Füße ins Wasser hängen. Ich setz mich neben sie. „Lad sie ein!“, sagt sie. „Wen?“, frag ich. „Na, die Jungfrau halt, dann kannst du mit dem Kindl spielen.“ Gemai! Und dann erst ist es lustig geworden.

 



Texte von ANNA aus der Märchenwerkstatt

 

Aus dem Tagebuch einer Stiefmutter

Ich habe heute Morgen ausgeschlafen - ausreichend Nachtschlaf ist wichtig für die Spannkraft der Haut. Kleines Frühstück im Bett: zwei pochierte Eier und O-Saft - ich muss auf meine Taille achten.

Die blöde Zimmerschnepfe hat warmes Waschwasser gebracht: Dumme Kuh, weiß doch jede, dass kaltes Wasser besser für die Poren ist. Gefeuert! Beim Haare bürsten - 100 Bürstenstriche - graues Haar gefunden. Ausgerissen und verbrannt.

Im Labor neue Creme angerührt. Dieses Mal mit frischem Schneckensaft und Rosenblüten. Den Spiegel befragt: natürlich bin ich die Schönste.

Nach dem Mittagessen (mein Mann ist echt der größte Langeweiler aller Zeiten) Schneewittchen zum Spielen in die Sonne geschickt. Soll die Kleine ruhig einen ordentlichen Sonnenbrand bekommen.

Nachmittags Kleider anprobiert. Diese Schneiderin ist echt die Letzte. Ihre Kleider spiegeln nie meine Schönheit wider. Lasse jetzt jemanden aus Paris kommen.

Abends die Füße hochgelegt, Maniküre und Gesichtsmaske (Froschlaich mit frischem Quark und Kiefernspitzen gegen die Nasenfalten).

Mein Mann will das Dorf vor dem Schloss nicht abreißen lassen - kompletter Schandfleck - faselt was  von Bewohnern und Machtmissbrauch. Warum ist der eigentlich König geworden? Muss wirklich Fingerhut besorgen. Jetzt geht es ins Bett, wirke im Kerzenlicht blass.

Spieglein an der Wand

 

Selbstverliebte Arroganz,

Die Nase hoch erhoben.

Dreht sich um sich im Tanz.

Lässt sich von andern loben.

 

Die Nase hoch erhoben - 

Die Konkurrenz im Blick.

Lässt sich von andern loben,

 

Die Kleider immer schick.

 

Die Konkurrenz im Blick,

Muss stets die Schönste sein.

Die Kleider immer schick.

Unsicher, schwach, gemein…

 

Muss stets die Schönste sein.

Dreht sich um sich im Tanz.

Unsicher, schwach, gemein:

 

Selbstverliebte Arroganz.



Texte von Melanie Siebert

 


Fadengedicht

Manchmal muss man Türen schließen.

Neue öffnen sich erst dann.

Nur durchgehen musst du dich trauen.

Niemand nimmt dich an die Hand.

 

Doch sei gewiss, es wird sich lohnen.

Neuem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Ein Schritt trägt den nächsten Schritt.

Trau dich und geh durch.

 

 

Erinnerung

Plötzlich stehe ich vor dieser ehrfürchtigen Tür.

Wenn ich da durchgehe, dann beginnt etwas Neues in meinem Leben.

Neugier und Demut überfallen mich zugleich.

Diese Tür zieht mich magisch an.

Nach sanftem Druck springt sie auf – das Abenteuer beginnt.

 

 

Abschied & Neubeginn

Abschied

Das Herz ist schwer

Die Augen lachen

Meilenstein geschafft

Zielgerade voraus

Jeden Tag neu erfinden

Geschichten erzählen

Den Glauben ertanzen

Kinderseelen zum Lachen bringen

Wie aufregend!

 

 

Schneeballgedicht

Jetzt

Einfach sein

Ganz im Augenblick

Mit all meinen Sinnen

Ganz im Augenblick

Einfach sein

Jetzt

 

Rondell

Um mich herum blüht das Leben.

Mit allen Sinnen nehme ich wahr.

Die Sonne, der Wind, die Bäume, das Wasser.

Um mich herum blüht das Leben.

Ich spüre im Augenblick das ganze Sein.

Bin im Hier und Jetzt.

Um mich herum blüht das Leben.

Mit allen Sinnen nehme ich wahr.


Konstellationsgedicht

 

Feuerstellen

Feuerstellen und Erzählen

Erzählen

Erzählen und Faszination

Feuerstellen

Feuerstellen und Faszination

Feuerstellen und Erzählen und Faszination

und Zeit zum Erinnern. Tanzen

Tanzen und Frauen

Frauen

Frauen und Seelenpflege

Tanzen

Tanzen und Seelenpflege

Tanzen und Frauen und Seelenpflege

und Eintauchen in eine andere Welt.

 

Pantun

In der Natur die Seele baumeln lassen.

Ich geb’ mich ganz dem Augenblick hin.

Warum kann ich den Moment nicht einfangen?

Die Sehnsucht wächst.

 

Ich gebe mich ganz dem Augenblick hin.

Spüre die Wärme auf meiner Haut.

Die Sehnsucht wächst.

Rieche den Duft der Wiesenblumen.

 

Spüre die Wärme auf meiner Haut.

Ein Gefühl des Friedens.

Rieche den Duft der Wiesenblumen.

Bin im Hier und Jetzt.

 

Ein Gefühl des Friedens.

In der Natur die Seele baumeln lassen.

Bin im Hier und Jetzt.

 

Warum kann ich den Moment nicht einfangen?


 

Eine Szene aus dem Kleiderschrank

 „Habt ihr schon gehört“, fragt die Lederjacke, „ich soll aussortiert werden! Zu alt und nicht mehr der Mode entsprechend. Einfach in den Altkleidersack will sie mich stecken.“

„Nein! Das darf sie nicht tun! Ohne dich kann ich nicht mehr leben. Jetzt wo wir uns endlich unsere Liebe gestanden haben“, ruft das Dirndl verzweifelt.

„Also, wenn ihr mich fragt“, sagt das schwarze Abendkleid, „wo sie Recht hat, hat sie Recht. Dann riecht es auch endlich nicht mehr so in unserem Schrank – dieser frisch verliebte Ledergestank ist ja nicht zum Aushalten hier drinnen!“

„Also, ich darf ja wohl sehr bitten“, mischt sich nun der Gürtel ein, „Leder riecht tierisch gut. Du hast nur keine Ahnung von guten Gerüchen mit deinem billigen Parfum. Das ich nicht huste!“

„Pass mal lieber auf, du kleiner Stinker, dass du nicht gleich mit aussortiert wirst.“

„Leute, Leute, so geht das hier nicht“; tönt es plötzlich von unten aus der Sockenschublade. Die alten Socken melden sich zu Wort. „Euer Streit führt doch zu nichts. Lasst uns lieber überlegen, wie wir die Lederjacke retten können.“

„Ja, genau“, schluchzt das Dirndl. „Wenn mein Geliebter aussortiert wird, dann zerreiß ich mich.“

 

„Au ja,“ ruft das Negligé, „da mach ich mit. Meuterei im Kleiderschrank! Dann kann unsere Besitzerin sehen, wie sie uns alle wieder zusammen genäht bekommt oder wir bekommen alle ein neues Zuhause – im Altkleidersack.“


Verdichteter Text

 

Faszination von Feuerstellen

Friedvolles Beisammensein

Erzählen und erinnern

Seelenpflege

Zeit zum Wärmen



Text von Juliane Grzimek aus der Märchenwerkstatt

 

Der Schafhirte und der Bergriese

Es war einmal ein junger Schafhirte, der den ganzen Sommer über hoch in den Bergen einsam mit seinen Schafen in seiner Hütte lebte. Die Schafherde war der einzige Besitz der armen Bauern im Tal, wo im Sommer das Gras zur Heuernte herhalten musste, um Futter für die Tiere im Winter zu bevorraten. Der Schafhirte hatte somit all ihre Habe zu verantworten. In seiner luftigen Einsamkeit war er darauf bedacht, Raubvögel, Bär und Wolf von seinen Tieren fernzuhalten. Eines Tages merkte er, dass ein Mutterschaf sich gar nicht von der Stelle bewegen konnte. Soviel er lockte mit frischen Kräutern, Rufen und gutem Zureden. In seiner Not, er musste Hilfe für das trächtige Tier holen, sperrte er alle Schafe in den provisorischen Pferch ein und eilte mit seinem treuen Hund zur nächsten Alm, die hinter dem hohen Berggipfel gelegen war. Spät in der Dämmerung, begleitet von seinem guten Vierbeiner, langte er auf dem verschneiten Pass in der Höhe an. Aber wie erschrak er plötzlich. Vor ihm, quer den Weg versperrend, war ein riesiges Ungeheuer mit glühenden Augen und haariger Pelzkleidung aufgetaucht und versperrte ihm den Pfad. Der erschrockene Schafhirte fuhr einen Schritt zurück und in seinem ersten Schrecken fragte er den Riesen: „Wer bist Du? Was willst Du von mir?“ Ein tiefes Grollen entwich aus des Unholds Kehle. “Du kennst mich, ich bin der Bergriese. Die Menschen fürchten meinen Zorn, wenn sie mir nicht ihren Tribut geben können. Jeder, von dem, was er besitzt. Und Du Knirps, Schafhirte, der noch nicht mal eigene Schafe besitzt, gibst mir von der Herde den besten Schafbock. Dann lasse ich dich ziehen, dann lasse ich Dich passieren.“

Der Schafhirte, er war fast noch ein Hirtenbub, guckte ganz erschrocken. Wie durfte und konnte er den Tribut geben, die Schafe waren in seine Obhut gegeben. Und zudem musste er Hilfe für das Mutterschaf holen.

 

In seiner Not fiel ihm eine aufschiebende Ausrede ein. Obwohl er in großer Eile und besorgt war, versprach er dem Ungetüm, wenn er ihn zurück gehen ließe zu seiner Herde, mit dem guten Bock zurückzukommen. Stattdessen wollte er natürlich einen anderen Weg über den Berg suchen, wollte aber schnell noch einmal nach seiner Herde schauen.

Und wie groß war seine Freude. In der Zwischenzeit hatte das brave Schaf ganz für sich geschafft, zwei kleine Lämmer auf die Welt zu bringen und lag friedlich in der Strohschütte und säugte. – Der Schafhirte war so glücklich, dass er einen lauten Juchzer in den Nachthimmel zu den Sternen und dem hellen Mond schickte. –

Angst vor dem Bergriesen hatte er auch nur noch ein bisschen. Denn die Leute erzählten, dass dieser noch nie von seinem Gipfel herunter gekommen war.

 

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