Gedanken zur Zeit

Von Ingrid Kellner *

5. Mai 2020


Nun, ich lebe allein, solo, und das ist mir meistens auch grad recht.

Um’s Geld muss ich mir keine Sorgen machen, ich bin in dem Alter, wo es monatlich überwiesen wird. - Also, wie erlebe ich die Corona-Zeit?

 

Sie kam mir anfangs überraschend entgegen, ich genoss die Stille, die raren Autos und die wenigen Menschen auf den Straßen. Allein spazieren gehen bin ich gewöhnt, tu’s nur leider nicht so oft, wie es für die Gesundheit nötig wäre.

 

Inzwischen ist eine Begegnung mit einer nicht haushaltsverwandten Person im 2 m Abstand möglich. Leider keine Umarmung, weder beim Begrüßen, noch beim Abschied nehmen. Da steht man dann mit hängenden Armen da und kommt sich blöd vor.

Aber das Schlimmste, das fehlt, sind die Biergärten. Bei dem schönen Wetter, kein lockeres Hocken auf den Bänken, kein freundliches Zusammenratschen, keine achtsamen Blicke auf die spielenden Kinder, keine Wurstsalat-Bestellung, es ist die Härte! Ist das inzwischen wirklich nötig? - Auch zuhause, das Essen allein ist nicht schön, es schmeckt nicht, obwohl ich gut koche und gerne esse – normalerweise. Seit Wochen im eigenen Gehäuse alleine essen, das ist der schiere Entzug, schlecht für die seelische Gesundheit.

Wie lange noch, he, hallo, hört mich jemand?

 


* Ingrid Kellner ist Jahrgang 1945 und lebt seit 15 Jahren in Landshut, wo es ihr sehr gut gefällt.

  Sie ist Mitglied beim Münchener Berufsverband bildender Künstler und beim SchriftstellerInnenverband VS Ostbayern, Regensburg.

  Im Lichtung Verlag Viechtach veröffentlichte sie u.a. "Die drei Damen vom Hestia-Heim", eine sehr vergnügliche Geschichte aus der Alters-WG.

  Was sie sonst noch gemacht hat, gemalt und geschrieben, kann man sich auf ihrer Home-Page anschauen: www.ingrid-kellner.de